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Höre auf Dein Kind

Alter: 0-2

Wir haben eine wunderbare Tochter – lieb, schlau, pflegeleicht, kess, interessiert, einfach alles, was man sich von seinen Kind wünschen kann. Sicherlich sind das zum Großteil die Anlagen, die sie mitgebracht hat, aber: auch klasse Kinder kann man verreißen. Wir denken, wenn wir nicht den Ball gut im Spiel halten würden und auch selbst sehr entspannt bei der Kindererziehung blieben, wären manche Dinge anders. Diese Serie soll einige von den Tipps weitergeben, die wir im Laufe der letzten Jahren gesammelt haben.

Eine der wesentlichsten Erkenntnisse ist sicher: höre auf keine Ratgeber – höre vor allem auf Dein Kind. Das klingt etwas sehr pauschal. Es mag mit Sicherheit den einen oder anderen guten Ratgeber geben (nur hatten wir keinen gefunden), so dass ich auch keinen empfehlen kann. Doch eines haben wir schnell per „trial and error“ gelernt: Unsere Tochter hat uns bisher immer zu verstehen gegeben, was ihre Bedürfnisse sind. Auch als sie noch nicht sprechen konnte. Ich gebe zu, man muss teilweise schon sehr genau hinhören, hinschauen und um die Ecke denken (ergo= komplizierte Erwachsenen-Denke auf kindliche Einfachheit zurückrechnen). Beispielsweise, nachdem wir als Eltern recht gut funktioniert hatten, hat unsere Tochter uns mitgeteilt, dass sie Durst hatte, indem sie etwas lauter geschmatzt hat, anstatt rumzubrüllen. Speziell nachts, wenn wir geschlafen haben, war das nicht immer einfach zu hören, aber auch das hatten wir bald raus. Das heißt nicht, dass man bei jedem Piep springen muss und sich womöglich versklaven lässt (das können die kleinen Wonneproppen ganz schnell hinkriegen), aber viel Geschrei und Gezeter kann man sich durch aufmerksame Bewertung der Bedürfnisse der Kleinen echt schenken.

Gerade in den ersten Monaten sind die Bedürfnisse ja noch sehr übersichtlich. Meist geht es da um Hunger, neue Windeln, Schlaf oder Kuscheln. Unsere Kleine hat diese Bedürfnisse von Anfang an auch unterschiedlich artikuliert. Zugegeben sind die Unterschiede eher Nuancen, aber man kann sie doch auch hören und verstehen, wenn man nicht gerade ein absolutes Gehör besitzt – gesunder Menschenverstand reicht da völlig aus.

Über Sinn und Unsinn des Elterngeldes

Nachdem nun der Wahlkampf in seine heiße Phase kommt, muss ich mich an dieser Stelle über das in dieser Legeslaturperiode eingeführte Elterngeld aufregen.

Vor dem Elterngeld gab es ja die Elternzeit. Die Idee hierbei ist: Die Eltern können zusammen bis zu 3 Jahre Auszeit aus dem Beruf nehmen, um sich in dieser Zeit um das Kind zu kümmern. In dieser Zeit ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitsplatz entsprechend frei zu halten. Diese Zeit kann auch gestückelt werden. (Informationen zur Elternzeit gibt es unter anderem beim Bundes-Familienministerium).

Was mir persönlich nun nicht klar war: Die Elternzeit gibt es immer noch. Die Regelung zum Elterngeld ist nur dafür da, unter bestimmten Bedingungen dem Elternteil, der zu Hause ist, entsprechend Geld zukommen zu lassen. Und hier kommt nun der Clou: damit man das Elterngeld in Anspruch nehmen kann, muss man als normal Sterblicher die Elternzeit nutzen. (Auch hier gibt es Information beim Bundes-Familienministerium.)

So weit klingt das ja alles noch prima und recht gut geplant. Einiges ist dabei durch die Konstruktion mit den zwei getrennten Regelungen etwas merkwürdig (z.B. muss das Elterngeld in den ersten 14 Monaten genommen werden; jedem Elternteil stehen 12 Monate zu, zusammen aber maximal 14; …), aber das sind eher nur komische Gedankengänge von Beamten.

Richtig ärgerlich wird das ganze erst dann, wenn es dann an die Praxis geht. Mütter haben z.B. dann verloren, wenn sie kurz hintereinander Kinder bekommen und dazwischen nur Teilzeit arbeiten. Dann haben sie keine Chance, die volle Förderung des Elterngeldes zu erhalten – meist langt es gerade zum Mindestsatz. Das ist aber auch schon hinreichend bekannt und darüber ist schon oft berichtet worden.

Aber auch Väter haben schnell verloren: sobald man die Elternzeit (die für das Elterngeld ja notwendig ist) beantragt, ist man unkündbar – aber maximal 8 Wochen vor Beginn der Elternzeit. 8 Wochen! Nun stellt man sich mal die Situation im Berufsleben vor: ich würde zu meinem Arbeitgeber gehen und ihm mitteilen, dass ich in 8 Wochen für 12 Monate mal nicht da bin. Da würde doch jeder Arbeitgeber Karree springen! Und, wie ich finde, auch zu Recht. In 8 Wochen kann man niemals einen adequaten Ersatz organisieren. Alleine schon die Einarbeitung dauert in einigen Berufen länger. (Mütter profitieren meist davon, dass sie um den Geburtstermin herum durch den Mutterschutz geschützt sind. Deshalb können sie ihren Arbeitgeber schon deutlich früher informieren.)

Insgesamt ist die Grundidee sicher nicht schlecht, aber die Umsetzung ist zum Einen extrem bürokratisch und zum Anderen leider (mal wieder) etwas sehr an der Realität vorbei.